Der Ritterorden




Die historische Gründung und die Ziele 

des St. Georg Ritterordens 

Der in der historischen ungarischen Königsstadt Visegrád ansässige St. Georg Ritterorden wurde am 24. April 1326 vom ungarischen König Karl I. (Anjou Dynastie) gegründet.

Im Beisein des Esztergomer Erzbischof Boleslaw und des Episkopats wurden die Statuten des Ordens angenommen. 

Die Ritter waren weltlichen und kirchlichen Zielen in gleichem Maße verpflichtet. 
Aus ihrer kirchlichen Selbstverpflichtung ergab sich unter anderem der Schutz der Kirche sowie die Unterstützung der Schwachen und Armen. 
Die Mitglieder des Ordens waren zudem für den persönlichen Schutz des Königs und seines Hofes verantwortlich und beschützten die ab 1323 in der Visegráder Burg aufbewahrte ungarische Krone. 
Neben ihrer Funktion als persönliche Leibwache des Königs organisierten die Ritter die regelmäßig stattfindenden Ritterspiele und nahmen an diesen auch teil. 



Restituierung des Ritterordens in Visegrád

 

Nach dem Ende des Sozialismus in Ungarn versammelte sich am 15. Dezember 1991 eine Gruppe von Historikern und Archäologen in Visegrád, um den Ritterorden aus seinem durch die Sozialisten erzwungenen Ruhezustand wieder zu erwecken. 

Im Geiste der historischen Ordenskonstitution wurde festgelegt, dass der Hauptsitz des Ordens erneut, entsprechend der historischen Kontinuität, an seinem Gründungsort in der Stadt Visegrád sein soll.


Um die Herausforderungen des ausgehenden 20. Jahrhunderts in der alltäglichen Ordensarbeit erfolgreich zu berücksichtigen, entschied man sich, folgende Ziele mit dem Orden zu verfolgen: 


·         Karitative Arbeit 
·         Soziale Jugendarbeit 
·         Traditions- und Brauchtumspflege 
·         Pflege der europäischen christlichen Kultur 
·       Restaurierung & Pflege der historischen Denkmäler (v.a. des Palasts) in            Visegrád 


Die erste Investitur von neuen Mitgliedern erfolgte am 25. April 1990 in der Matthiaskirche in Budapest. 
Während die Organisationsstruktur des Ordens sich anfangs primär nach dem Zweck ausrichtete, eine Kulturorganisation zu sein, erfolgte mit der wachsenden Mitgliederzahl auch bald eine Diversifizierung der Tätigkeitsfelder. Die neuen Ritter diesseits und erstmals auch jenseits der ungarischen Staatsgrenzen widmeten sich zunehmend neuen Aufgaben und stellten diese in den Fokus ihrer Arbeit. 


Als historischer Ritterorden, dessen originärer Zweck primär militärischer Natur war, hatte der Orden im Laufe seiner Geschichte eine ausschließliche männliche Mitgliederstruktur. Mit der wachsenden Mitgliederzahl sowie dem zunehmenden Fokus auf die neuen Tätigkeitsfelder entschloss sich der Magistrat des Ordens zu einer Neuregelung seiner Mitgliederstruktur.
Mit der Anpassung der Ordensziele an die Herausforderungen des modernen 20. Jahrhunderts wurden auch erstmals Frauen als vollständige Mitglieder in den Ritterorden aufgenommen  - die erste Investitur von Ritterdamen erfolgte am 24. April 1992 in der Budapester Matthiaskirche. 

Die Fachabteilungen  

Karitative Abteilung

Im Jahr 1993 wurde die karitative Abteilung ins Leben gerufen, welche bereits 1994 unter der Leitung von Dr. Sándor Molnár die Arbeiten aufnahm. Im Fokus der Arbeiten standen zunächst die Beschaffung von Hilfsgütern sowie die Organisation und Durchführung von Hilfslieferungen.

Ein geographischer Schwerpunkt der Arbeit war hierbei zunächst das Gebiet der Karpatoukraine (im westlichen Grenzgebiet der Ukraine), in welcher besonders kritische sozioökonomische Ausgangsbedingungen vorherrschten.
Die Hilfslieferungen beinhalteten Kleidung, haltbare Lebensmittel, Medizin sowie Bücher. 
Bereits im gleichen Jahr wurden die Tätigkeiten geographisch auch auf das ungarische Inland sowie ganz Mittel- und Osteuropa ausgeweitet.
Heute leistet der Ritterorden nicht nur in Mitteleuropa karitative Hilfe, sondern engagiert sich auch in Afrika im Rahmen von verschiedenen Hilfsprojekten. 

Neben der Durchführung von Hilfslieferungen, etwa wenn Hilfe besonders dringlich gebraucht wird, bemüht sich der Orden außerdem um den Aufbau von nachhaltigen Hilfsstrukturen. Entsprechend dieser Prämisse arbeiten wir eng mit örtlich angesiedelten karitativen Organisationen zusammen. Projekte werden von unseren ehrenamtlichen Rittern kontinuierlich begleitet und mit den Verantwortlichen vor Ort abgestimmt. 

Neben der Traditionspflege ist auch die Zukunftsorientierung für den Sankt Georg Ritterorden ein wichtiges Ziel - aus diesem Grund ist die soziale Jugendarbeit für uns von besonders herausgehobener Bedeutung. Neben aktiven Stipendien- und Bildungsförderprojekten für Jugendliche weltweit, finden alljährlich mehrere Feriencamps für sozial benachteiligte Kinder und Teenager in ganz Europa statt.  Ziel dieser Feriencamps ist es, den Jugendlichen die Möglichkeit zu bieten, sich mit Gleichaltrigen aus anderen Ländern auszutauschen, die Kultur und Sprache der anderen Camp-Teilnehmer kennenzulernen und auf diese Weise wertvolle Erfahrungen und schöne Erinnerungen zu sammeln. 

Abteilung der militärischen Brauchtumspflege

Die Militärabteilung wurde im Jahr 1992 unter der Leitung von György Magyar und Báron László Cseke jun. gegründet. 
Ein Kernziel der Abteilung ist es, mithilfe aktiver Traditions- und Brauchtumspflege mittelalterliche Militärgeschichte am Leben zu erhalten. 

Neben der detailgetreuen Herstellung von authentischen Waffen, Rüstungen und Gewändern, nehmen die Mitglieder der Abteilung an Ritterkämpfen und Ritterturnieren (Vollkontakt) in ganz Europa teil. Im Laufe der zurückliegenden drei Jahrzehnte konnte die Militärabteilung grenzüberschreitend ein hohes Ansehen erlangen.

Die Einnahmen aus den erfolgreichen Teilnahmen werden in die Geschichtsforschung sowie die Traditionspflege des Ordens gesteckt, um das historische Erbe des Ritterordens zu bewahren. 

Darüber hinaus bietet der Ritterorden mit der Gründung einer sogenannten „Knappenschule“ seit 1992 ein soziales Jugendprojekt an.
Jugendliche aus jeder Gesellschaftsschicht können ohne einen eigenen Kostenbeitrag an der Knappenschule teilnehmen. Neben der körperlichen Ertüchtigung, etwa durch das Erlernen von Bogenschießen, Reiten oder historischen Kampfstilen, soll den Jugendlichen auf spielerische Art und Weise Geschichtswissen vermittelt werden. 
Entsprechend dem Ziel eine neue Generation an verantwortungsbewussten Menschen zu fördern, wird den Kindern ein bürgerliches Wertefundament und die entsprechende Normenhierarchie vermittelt. 
Ziel ist es, dass jeder Jugendliche im Zuge seines Erwachsenwerdens zu einem starken Mitglied der Gesellschaft wird und einen Mehrwehrt für seine Mitmenschen schafft. 

Förderung der Geschichtsforschung

Seit der Restituierung des Ritterordens ist ein weiterer wesentlicher Fokus die Förderung der mittelalterlichen Geschichtsforschung. 

Neben einer Vielzahl an renommierten Geschichtswissenschaftlern in der Ritterschaft treibt der Orden aktiv die internationale Erforschung des Mittelalters voran. 
Neben namhaften Publikationen, wie etwa durch den auf Lebenszeit ernannten Ordenskanzler Baron Laszló Cseke sen. (*1926 - † 2011), organisiert der Ritterorden alljährlich zu verschiedenen geschichtswissenschaftlichen Themen in Mitteleuropa sogenannte „Sommeruniversitäten“. 
Im Rahmen der Sommeruniversitäten können Forscher und Geschichtsinteressierte sich im konstruktiven Dialog austauschen und zu einem fortschreitenden Erkenntnisgewinn beitragen. 
Darüber hinaus verteilt der Ritterorden auch Stipendien an Jungforscher, um sie bei ihren Forschungsvorhaben zu unterstützen. 

Die territoriale Ausdehnung & Organisationsstruktur des Ordens 

Um die zahlreichen Aufgaben in einem grenzüberschreitenden Kontext bewältigen zu können, hat sich der St. Georg Ritterorden im Laufe der Jahre eine differenzierte Organisationsstruktur erschaffen. Sowohl im Hinblick auf den hierarchischen Aufbau als auch im Hinblick auf die territoriale Ausdehnung des Ordens war die zentrale Prämisse, dass man einen möglichst optimalen Ausgleich zwischen subsidiärer Eigenverantwortlichkeit der  (Groß-)Priorate und einer effektiven Führbarkeit des Ordens garantiert.